Black Friday und Weihnachten - eine coole Kombi?

Zwei jahreszeitliche Phänomene werden zurzeit medial elegant verknüpft: Der Black Friday, der das frühere Weihnachtsgeschäft vorwegnimmt und die Kassen weltweit schon Wochen vor dem großen Fest so nachhaltig klingeln lässt, dass den Weihnachtsengeln in höheren Sphären Hören und Sehen vergeht. Der weltweite Schnäppchen-Jäger-Tag "Black Friday" am 24.11. ist das komprimierte kapitalistische Glücksversprechen; die Heilsbotschaft, die jeden von uns sofort absolut zufrieden und glücklich macht. Mit Umtauschrecht von 14 Tagen. Das Gute daran: Der ganze übliche Vorweihnachts-Einkaufsfrust lässt sich auf magische Weise umwandeln in eine ungeahnte, punktuell komprimierte Kauflust, die dem Genius eines Schotten entsprungen zu sein scheint, den man erfolgreich mit einem Schwaben  gekreuzt hat.

 

"Black Friday" und "Cyber Monday" wachsen sich zu einem kollektiven Kaufrausch aus. Rabatte bis zu 90 % werden angekündigt. Kaufwillige Menschen schreiben akribisch Listen mit Dingen, die sie unbedingt kaufen wollen und EINDEUTIG BILLIGER zu finden hoffen. Sämtliche Medien springen auf den Zug auf und propagieren noch mehr Schnäppchen, noch mehr Chancen und den ultimativen Geheimtipp für den Kaufwilligen. Der Kosmos scheint zu vibrieren vor lauter Bedürfnissen, die noch schneller noch preisgünstiger befriedigt werden können. Und irgendwo am Horizont dämmert da noch Weihnachten herauf: das Fest des Konsums, der klingelnden Kassen und ewigen Familienfehden, bei dem schon Wochen vorher alle frustriert sind, weil sie keine Zeit für nichts mehr haben, ein Marathon an Feiern zu absolvieren ist, alle fünf Kilo zunehmen und man bis zur letzten Minute Geschenke für seine Lieben shoppen muss, die diese entnervt entgegennehmen und zwei Tage später schlangestehend umtauschen müssen. Der Kulturkampf um Gänsebraten oder Wiener Würstchen tobt in den Familien. Die friedvolle Ruhe der Feiertage ist unerträglich. Nur Kampfshoppen und unermüdliche Betriebsamkeit beruhigen die erhitzten Gemüter, die dadurch von ihrer inneren Leere abgelenkt werden.

 

Das Gegenmodell zu einem Weihnachten, das den Black Friday zur Bedingung hat, ist das echte Weihnachten. Das unverfälschte Original, das weder Einkaufsorgien noch Weihnachtsdeko benötigt. Keine Gans und keinen Tannenbaum. Keinen Glühwein und keine Lichterketten. Nur ein kleines Kind in einer Krippe - völlig unspektakulär und wenig medienwirksam platziert. Irgendwo im Nirgendwo, in den Tiefen Palästinas. In einer Höhle oder einem schäbigen Stall. Im Dreck. Im Stroh. Pieksig. Rau. Riechend. Und doch eines der größten Geheimnisse in sich bergend, das die Menschheit je erfahren hat. Das über mehr als 2.000 Jahre Abermillionen von Menschen erfasst hat und ihnen bis heute Hoffnung verleiht. Hoffnung auf Menschlichkeit. Auf Würde. Auf Selbstbestimmung. Auf eine große persönliche Chance bei abwegig schlechten Ausgangsbedingungen. Auf unbedingte, ungeteilte Liebe und Annahme, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Die nichts kostet, aber alles von einem fordert: Hingabe, Umkehr, Aufbruch, Loslassen des Gewohnten und Althergebrachten. Den Glauben an Chancen und Wunder. Die schiere Hoffnung, dass sich alles in dieser Welt zum Guten wenden kann. Kostenlos, aber unendlich kostbar.

 

Wir haben die Wahl.